Orthopädie / Sporttraumatologie

Gelenkersatz

ORTHOPÄDIE / SPORTTRAUMATOLOGIE

Muss bei fortgeschrittener Arthrose ein Gelenk durch ein künstliches Gelenk (Schulterprothese, Schulter TEP, Schulter-Totalendoprothese) ersetzt werden, erschreckt dies zunächst die meisten Patienten. Im Nachhinein wird eine solche Operation jedoch in hohem Maße als außerordentlich lohnenswert beurteilt. Nach einem häufig allzu langen Leidensweg ist die Schulter endlich wieder schmerzfrei und gut beweglich.

Im Bereich von Schulterendprothesen ist es in den letzten Jahren Dank der Entwicklung neuer Schulterprothesen und der Verbesserung des Designs, zu enormen Fortschritten gekommen. Waren früher die Ergebnisse nach Schulter-TEP eher mäßig, zeigen sich inzwischen hervorragende Ergebnisse. Die Haltbarkeit von Schulterprothesen liegen heute im Bereich von mehr als 20 Jahren. Eine Folge der hohen Patientenzufriedenheit spiegelt sich unter anderem auch in den deutlich steigenden Operationszahlen wieder.

Wann sollte ein künstliches Schultergelenk eingesetzt werden?

Die Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für eine Schulter TEP ist eine sehr wichtige ärztliche Aufgabe. Sie sollte der Schulterspezialist gemeinsam mit dem Patienten auf Basis von fundiertem medizinischen Wissen und den individuellen Bedürfnissen und Erwartungen des Patienten treffen.
Entscheidend für den richtigen Zeitpunkt für ein künstliches Schultergelenk sind vor allem die Lebensqualität des Patienten und das Ausmaß der Arthrose. Wenn trotz konservativer Therapiemaßnahmen Alltagsaktivitäten nicht schmerzfrei durchführen werden können, oder häufig Ruhe- bzw. nächtliche Beschwerden bestehen, ist bei fortgeschrittener Arthrose eine Gelenkersatz-Operation der Schulter dringend empfohlen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen zudem, dass der Erfolg der Operation abhängig ist vom Ausmaß des Schultergelenk Verschleißes. Das zu lange Hinauszögern eines künstlichen Schultergelenks hat schwerwiegende Nachteile. So kann beispielsweise ein fortgeschrittener Abrieb der Gelenkpfanne die Implantation eines künstlichen Schultergelenks erheblich erschweren oder im schlimmsten Falle sogar unmöglich machen.

Welche Schulterprothese ist „die Beste“

Künstliche Schultergelenke werden am häufigsten bei fortgeschrittener  Arthrose der Schulter (Omarthose) eingesetzt aber auch nach komplizierten Brüchen der Schulter, nach unfallbedingten Gelenkschäden oder aufgrund rheumatischer oder Tumor bedingter Gelenkschäden. In Abhängigkeit vom Ausmaß und der Ursache der Schulterarthrose kommen völlig unterschiedliche Typen von künstlichen Schultergelenken zum Einsatz:

Schulter-Hemiprothese

Bei fortgeschrittener Schädigung des Oberarmkopfes und relativ guten Pfannenverhältnissen kann ggf. eine Schulter-Hemiprothese eingesetzt werden. Hierbei wird der Oberarmkopf ersetzt bzw. überkront, ohne dass die Gelenkpfanne ersetzt wird. Man unterscheidet hierbei Kappen-, Kopf- und Stielprothesen. Sie unterscheiden sich in der Art und Weise wie sie im Knochen verankert werden. Wenn aufgrund des Gelenkschadens eine Schulter-Hemiprothese eingesetzt wird, ist ggf. eine Kappenprothese zu empfehlen. Hierbei wird der verschlissene Oberarmkopf mit lediglich einer Metallkappe überkront. Der Vorteil dieser reinen „Oberflächen-Prothesen“ besteht darin, dass nur sehr wenig Knochen entfernt werden, was für eine spätere eventuelle Wechsel-OP ideal ist.

Schulter Hemiprothese
Abb.: Schulterkappenprothese

Anatomische Schulter Totalendoprothese

Bei längerer Zeit bestehender Arthrose kommt es in aller Regel auch zu einem deutlichen Abrieb der Gelenkpfanne. In solchen Fällen ist die Implantation einer anatomischen Schulter-Totalendoprothese (Schulter TEP) notwendig. Bei einer Schulter TEP werden sowohl der Oberarmkopf als auch die Gelenkpfanne ersetzt. Die nunmehr IV. Generation von Schulterprothesen ermöglicht zum einen eine exakte anatomische Rekonstruktion des Gelenkes zum anderen ermöglicht ihr modularer Aufbau einen eventuellen Wechsel von verschlissenen Komponenten. Das Design der neuen Schulterprothesen hat sich im Vergleich zu den früheren Generationen deutlich gewandelt. Anatomische Schulter-TEPs bestehen zum einen aus einem Schaft und einem entsprechenden Kopf aus Titan die mit dem Oberarmknochen verwachsen, zum anderen aus einer Gelenkpfanne die aus Kunstsoff (Polyäthylen) die meist mit einem Zweikomponenten-Kleber (Knochenzement) am Knochen verankert wird. Der modulare Aufbau und die zahlreichen Größen der zur Verfügung stehenden einzelnen Komponenten ermöglichen dem Operateur eine passgenaue anatomische Rekonstruktion des Schultergelenks. Viele wissenschaftliche Studien zeigen nach Schulter TEP exzellente Ergebnisse bezüglich Funktion, Schmerzfreiheit, Patientenzufriedenheit und Haltbarkeit von ca. 20Jahren.

Schulter TEP anatomisch Implantat
Abb.: Anatomisch modulare Schulter TEP

Inverse Schulterprothese

Besteht neben der Arthrose an der Schulter ein ausgeprägter Weichteilschaden (Riss der Rotatorenmanschette), muss eine inverse Schulterprothese eingesetzt werden. Eine inverse Schulter TEP zeigt eine Umkehrung der normalen anatomischen Verhältnisse. Bei der inversen Schulterendprothese werden Kopf und Pfanne quasi getauscht, d.h. der kugelige Oberarmkopf wird durch ein pfannenartiges Implantat und die flache Gelenkpfanne durch ein halbkugelförmiges Implantat ersetzt. Hierdurch wird das Drehzentrum des Gelenkes verlagert und die Kraftübertragung erfolgt nicht mehr über die Rotatorenmanschette sondern fast ausschließlich über andere Schultermuskeln insbesondere den Musculus deltoideus. Inverse Schulterendoprothesen bestehen in aller Regel aus Titan. Die Implantate werden meist „zementfrei“ eingesetzt und bekommen ihre Haltbarkeit indem sie mit dem Knochen verwachsen. Auch inverse Schulterprothesen sind modular aufgebaut und können durch die breite Palette von unterschiedlichen Größen den individuellen Verhältnissen exakt angepasst werden.

Schulter TEP invers Implantat
Abb.: modular inverse Schulterprothese

Die Weiterentwicklungen und technischen Neuerungen rund um die inversen Schulterendoprothesen waren in den letzten 10 Jahren sehr erfolgreich. Deshalb zeigen sich gute bis sehr guten klinischen Ergebnisse. Der Patient profitiert von einer sehr guten Schmerzlinderung und einer sehr guten Schulterfunktion. Die durchschnittliche Haltbarkeit der inversen Schulterprothese liegt bei ca. 15 Jahren, Tendenz steigend.

 

Behandlung nach Implantation einer Schulterprothese

Die Implantation eines künstlichen Schultergelenks erfolgt in Vollnarkose. Der Patient  verbleibt hierzu etwa fünf bis sieben Tage in der Klinik. Nach Schulter-TEP wird die operierte Schulter für ca. zwei Wochen mit einer Bandage geschützt.  Bereits am ersten Tag nach der Operation wird mit sanften krankengymnastischen Übungen begonnen. Die Intensität der Krankengymnastik wird danach zunehmend gesteigert und sollte während der ersten zwei bis drei Monate zwei bis dreimal wöchentlich durchgeführt werden. In Ausnahmefällen erfolgt nach der Operation eine drei wöchige stationäre Reha.

Haltbarkeit des künstlichen Schultergelenks

Es ist sicherlich richtig, dass „schmerzfrei mobil sein“ umso wichtiger ist, je jünger der Patient ist.  Gerade bei jüngeren Patienten muss jedoch die mit durchschnittlich ca. 20 Jahren zwar lange, aber dennoch beschränkte Haltbarkeit von Schulterprothesen berücksichtigt werden. Der Austausch eines verschlissenen künstlichen Schultergelenks bzw. einzelner Komponenten der Schulter-TEP ist zwar grundsätzlich möglich, technisch aber anspruchsvoll und recht aufwändig.

Sport nach Einsatz eines künstlichen Schultergelenks

Ziel ist, dass der Patient nach Schulter TEP wieder schmerzfrei aktiv sein kann. Bewegung ist auch für das künstliche Schultergelenk und die umgebende Muskulatur grundsätzlich gut, jedoch sollte es nicht überlastet werden. Runde sanfte Bewegungen wie Yoga, Gymnastik, Schwimmen etc. sind zu bevorzugen. Leistungsorientierter Schulter belastender Sport wie Tennis, Kraftsport sowie Kampf- und Risikosportarten sind nach künstlichem Schultergelenk nicht empfohlen.


Wissenswertes

 

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