Orthopädie / Sporttraumatologie

Kniegelenk

ORTHOPÄDIE / SPORTTRAUMATOLOGIE

Bei der Verrenkung der Kniescheibe (Kniescheiben Luxation) springt die Kniescheibe gewaltsam aus ihrer vorgesehen Gleitbahn heraus. Dabei kommt es zu häufig zu Verletzungen von Bändern, Knorpel und Knochen. Meist springt die verrenkte / luxierte Kniescheibe von selbst wieder in ihre Gleitbahn, wenn das Knie gestreckt wird. Nach einer Kniescheibenluxation schwillt das Kniegelenk meist stark an und ist schmerzhaft. Eine ärztliche Untersuchung ist dringend angeraten, um den entstandenen Gelenkschaden genau fest zu stellen und eine optimale Behandlung einzuleiten.

Knieverletzungen

 

Was passiert bei der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation?

Bei der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation springt die Kniescheibe gewaltsam aus ihrer vorgesehenen Gleitbahn heraus. In den meisten Fällen schnappt die Kniescheibe bei Streckung des Kniegelenkes wieder in ihre Gleitbahn zurück.

Bei der Kniescheibenverrenkung zerreißt die Gelenkkapsel samt dem Band- und Halteapparat der Kniescheibe. Die Folge ist, dass meist relativ rasch nach dem Ereignis eine schmerzhafte Schwellung des Kniegelenks aufgrund eines Blutergusses auftritt.

Heilen die zerrissenen Bandstrukturen nicht zusammen, bleibt die Kniescheibe instabil. In der Folge kann die Kniescheibe immer wieder auch bei alltäglichen Bewegungen, d.h. ohne Unfall, ausrenken.

Bei jedem neuerlichen Ausrenken der Kniescheibe können weitere Schäden an der Kniescheibe und dem Oberschenkelknochen entstehen. Insbesondere kann es zu erheblichen Knorpelschäden kommen, die letztendlich zu einem Gelenkverschleiß d.h. zu einer Arthrose führen.

Grundsätzlich kann, bei entsprechender Veranlagung, auch eine Kniescheibenverrenkung ohne Unfallereignis erfolgen. Dies bezeichnet der Mediziner als „habituelle Patellaluxation“. Hierbei besteht ein besonders hohes Risiko, dass die Kniescheibe dauerhaft instabil bleibt und immer wieder aus ihrer Gleitbahn springt.

Welche Ursachen der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation gibt es?

Ursächlich für eine Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation kann ein Unfall sein. Häufig aber besteht beim Betroffenen jedoch eine Veranlagung zur Kniescheibenverrenkung (Patellaluxation), d.h. eine ungünstige Kombination von Komponenten, die ein Verrenken d.h. eine Luxation fördern.

Zu den Risikofaktoren einer Kniescheibenluxation zählen:

  • X-Bein
  • fehlerhaft angelegte Kniescheibe ( = Patelladysplasie)
  • fehlerhaft angelegte Gleitrinne der Kniescheibe am Oberschenkelknochen ( = Trochleadysplasie)
  • lockerer Bandapparat ( = weiches Bindegewebe)
  • hochstehende Kniescheibe ( = Patella alta)
  • Ungleichgewicht der äußeren und inneren vorderen Oberschenkelmuskulatur ( = muskuläre Dysbalance)

Je mehr Risikofaktoren zusammenkommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation.

Diagnose der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Neben der klinischen Untersuchung durch einen Kniespezialisten, der spezielle Test durchführt, sollten Röntgenaufnahmen sowie nach Möglichkeit eine Kernspin Untersuchung (MRT) des Kniegelenks durchgeführt werden.

Anhand der Kernspin Aufnahme kann neben der Beurteilung des Knochens das Ausmaß des entstandenen Schadens am Kapsel-Bandapparat sowie am Gelenkknorpel exakt beurteilt werden. Die genaue Beurteilung des Gelenkschadens ist für die bestmögliche Behandlung von größter Bedeutung.

Therapiemöglichkeiten der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Ziel jeder Therapie ist es die Kniescheibe dauerhaft im Gleitlager zu zentrieren da mit jedem weiteren Luxationsereignis der Gelenkknorpel zunehmend geschädigt wird. Je häufiger es zu einer Kniescheibenluxation kommt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer frühzeitigen Arthrose (Retropatellararthrose). Grundsätzlich wird bei den Therapien unterschieden zwischen konservativer Therapie d.h. ohne Operation, und operativer Behandlung.

Konservative Behandlung der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Eine konservative Therapie der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation kann dann erwogen werden, wenn die Kernspin Untersuchung keinen wesentlichen Schaden am Knorpel sowie Band- und Halteapparat zeigt. In diesem Fall muss das Kniegelenk mit einer entsprechenden Bandage bzw. Schiene für ca. 6 Wochen ruhiggestellt werden.

Zur raschen Rückbildung der Schwellung werden Kühlung, Salben und ggf. abschwellende Medikamente (Antiphlogistika: z.B. Diclofenac, Ibuprofen) sowie Lymphdrainage empfohlen. Um einer zu starken Rückbildung der Muskulatur und einer Gelenkeinsteifung vorzubeugen, sollten zudem krankengymnastische Behandlungen erfolgen. Nach Abschluss des Heilungsprozesses wird ein Muskelaufbautraining und Koordinationstraining dringend empfohlen.

Operative Behandlung der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Zeigt die Kernspin Untersuchung einen größeren Knorpelschaden, eine Knorpelabscherung oder einen ausgeprägte Verletzung des Kapsel-Bandapparates sollte eine operative Behandlung erwogen werden um den Schaden zu reparieren. Eine Operation wird auch empfohlen wenn die Kniescheibe mehrfach ausrenkt / luxiert war.

Welche Operation im individuellen Fall empfohlen wird hängt u.a. von folgenden Faktoren ab:

  • Instabilitätsgrad der Kniescheibe
  • Häufigkeit der Kniescheibenluxationen
  • Anatomische Voraussetzungen (Fehlanlage von Kniescheibe oder Gleitrinne, X- Bein, Verlauf der Kniescheibensehne)
  • Ausmaß der Verletzungen (Knorpel, Kapsel- Bandapparat, MPFL)
  • Alter des Patienten

Zielsetzung der Operation ist, die ideale Anatomie wieder herzustellen, d.h. es muss der entstandene Knorpelschaden behandelt und der Kniescheibenverlauf korrigiert werden. Durch eine Arthroskopie können entstandene Knorpelschäden optimal behandelt werden. Die Reparatur des zerrissenen Kapsel-Bandapparates (MPFL-Rekonstruktion) nimmt heute bei der operativen Behandlung der Kniescheibenluxation die wichtigste Rolle ein. Knöchernen Korrekturmaßnahmen werden nur bei extremer Abweichung von der normalen knöchernen Anatomie empfohlen. Sie sollten zudem erst nach Abschluss des Wachstums durchgeführt werden.

MPFL-Rekonstruktion zur operative Behandlung der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Bei dieser Operationsmethode wird der verletzte Kniescheiben – Halteapparat rekonstruiert, in dem das gerissene dreieckförmige Band (Mediales Patello Femorales Ligament = MPFL), das zwischen der Innenseite der Kniescheibe und dem Oberschenkelknochen verläuft, durch eine Sehne ersetzt wird. Hierzu wird eine Sehne (Gacilisehne) über einen kleinen Schnitt auf der Innenseite des Unterschenkelknochens gewonnen und dann unter entsprechender Vorspannung am inneren Kniescheibenrand und dem Oberschenkelknochen verankert.

Tuberositasversetzung zur operative Behandlung der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Als knöcherne Korrekturmaßnahme kommt die Versetzung des Ansatzes der Kniescheibensehne in Frage. Hierbei wird der Ansatz der Kniescheibensehne (Patellasehne) am Schienbein (Tuberositas tibiae) versetzt. Durch die Versetzung läuft die Kniescheibe weiter innen in ihrer Gleitbahn was ein Ausrenken deutlich erschwert.

Trochleaplastik zur operative Behandlung der Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Bei einer ausgeprägten Fehlanlage der Gleitrinne der Kniescheibe am Oberschenkelknochen (Trochledysplasie) kann die Tiefe der Rinne verbessert werden. Dies ist ein Eingriff, der nur in seltenen Ausnahmefällen erforderlich wird.

Nachbehandlung Operation Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Die Nachbehandlung muss der entsprechenden Operationsmethode angepasst werden. Neben einer anfänglichen Entlastung (Gehen an Unterarmgehstöcken für ca. 3 Wochen) und Schutz durch eine spezielle Schiene (für ca. 6 Wochen) ist wichtig, dass die Muskulatur des Oberschenkels optimal physiotherapeutisch nachbehandelt wird.

Es muss besonderes Augenmerk auf das Training der inneren vorderen Oberschenkelmuskulatur (Musculus vastus medialis) gelegt werden. Hierdurch kann der Kniescheibenverlauf ebenfalls günstig beeinflusst werden.

Prognose
 nach Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Jede Kniescheibenluxation ist eine schwerwiegende Verletzung des Kniegelenks, die häufig mit Dauerschäden einhergeht. Auch bei idealer Behandlung einer Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation kann ein neuerliches Ausrenken der Kniescheibe (Re-Luxation) nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Zudem besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich langfristig ein Schaden der Knorpelgleitfläche von Kniescheibe und Oberschenkel (Retropatellararthose) entstehen kann. Nur durch eine optimale, individuelle Behandlung durch einen erfahren Kniespezialisten können diese grundsätzlichen Risiken minimiert werden, um eine dauerhafte schmerzfreie Funktion des Kniegelenkes zu gewährleisten.

Spezialisten: Kniescheibenverrenkung / Kniescheibenluxation

Für die optimale Behandlung der Kniescheibenverrenkung sind Kniespezialist besonders geeignet: Dr. Stefan Preis und Dr. Jörg Schroeder, leitende Ärzte der Praxis und Belegabteilung für Orthopädie und Sporttraumatologie der KLINIK am RING in Köln sind gemeinsam mit ihrem Team auf die Behandlung von Knie- und Schultererkrankungen spezialisiert. 2004 gründeten sie das WESTDEUTSCHE KNIE & SCHULTER ZENTRUM. Jährlich behandelt das 8-köpfige Spezialisten-Team weit mehr als 10.000 Patienten. Sie führen jährlich mehr als 2500 Operationen durch, davon ca. 1200 Operationen des Kniegelenks.

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MPFL Rekonstruktion nach Schöttle

(mit freundlicher Genehmigung Fa. Arthrex)

 

 

 

 


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