Gelenke müssen über viele Jahrzehnte Tag für Tag verlässlich arbeiten und zum Teil höchsten Belastungen standhalten. Damit sie diese Funktionen optimal erfüllen können, bedarf es eines gesunden Knorpels. Der Knorpel sorgt einerseits für die reibungslose Bewegung des Gelenks, andererseits ist er in der Lage, Belastungen und Stöße bis zum Siebenfachen unseres Körpergewichts aufzufangen und zu dämpfen. Wenn die konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind, oder eine deutliche Verschlechterung des Zustandes zu erwarten ist, muss eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden.
Schäden am Gelenkknorpel können altersbedingt, durch übermäßige Belastung (Sport, Beruf, Übergewicht), zu wenig Bewegung, Kreuzbandriss, Meniskusriss oder auch Sportunfälle bedingt sein. Eine Behandlung ist oft schwierig, da der Knorpel nicht durchblutet wird und dem Gewebe daher die Fähigkeit fehlt, sich selbst zu regenerieren.
Der Verlust von Knorpelsubstanz ist irreversibel, d.h. ein Knorpelschaden heilt nicht. Tiefer gehende Knorpeldefekte führen, wenn sie unbehandelt bleiben, zur Arthrose, d.h. einem erheblichen Gelenkverschleiß. Bei größeren Knorpelschäden muss deshalb erwogen werden, den Knorpel operativ zu behandeln, um der drohenden Arthrose vorzubeugen. Hierbei bieten sich arthroskopische, d.h. minimal-invasive Operationsverfahren an. Bei der Arthroskopie erfolgt die Operation mittels Minikamera über zwei lediglich 2–3 mm kleine Zugänge.
Bei der Knorpelglättung werden lediglich Rauigkeiten der Gelenkoberfläche vorsichtig arthroskopisch geglättet. Ziel ist ein maximaler Knorpelerhalt, um ein Fortschreiten der Knorpelschädigung abzumildern. Zudem werden im Rahmen des Eingriffs die knorpeligen Abriebpartikel aus dem Gelenk gespült, um den Reizzustand eines Gelenkes zu reduzieren.
Bei der Mikrofrakturierung (Synonyme: Abrasionsarthroplastik, Pridie-Bohrung oder Chondropicks) wird der freiliegende Knochen „verletzt“, sodass es dort zu einem Einbluten kommt. Ähnlich wie sich bei einer blutenden Hautverletzung im Rahmen des Heilungsprozesses eine Hautnarbe bildet, entsteht im Gelenk durch die aus dem blutenden Knochen austretenden Stammzellen eine Narbe aus Faserknorpel. Dieses knorpelige Ersatzgewebe füllt und versiegelt den Knorpeldefekt (Bioprothese). Arthroskopische und mikroskopische Kontrollen zeigen eine überzeugende Defektfüllung. Es gilt jedoch zu bedenken, dass der Ersatzknorpel nicht so belastungsfähig wie normaler Gelenkknorpel ist.
Eine Weiterentwicklung der Mikrofrakturierung stellt die Knorpelrekonstruktion mittels künstlicher, aber vollständig resorbierbarer Implantate dar. Beim Trufit-Plug-System (Fa. Smith & Nephew) wird das stimulierte Stammzellengewebe an Ort und Stelle konzentriert, wodurch die Wiederherstellung der Gelenkfläche mit langlebigem Knorpelersatz angestrebt wird. Trufit Plugs werden bereits seit 2003 in den USA angewendet. Die Implantate bestehen aus einem sehr porösen, resorbierbaren, synthetischen Material, das sich im Laufe eines Jahres auflöst. Durch die Porosität und Beschaffenheit des Implantats wird die Aufnahme des Bluts mit seinen Nährstoffen und Stammzellen beim Implantieren im Defekt begünstigt und in dieser geschützten Umgebung die Bildung von neuem Knochen und neuem, kollagenreichem Faserknorpel erreicht.
Durch die Versiegelung des Defektes mit einem körperfremden 3-dimensionalen Vlies (Chondrotissue) kann zusätzlich die Konzentration der Stammzellen erhöht und so eine verbesserte Defektausheilung erreicht werden.
Bei der Knorpel-Knochen-Transplantation, auch OCT oder OATS genannt, werden Knorpel-Knochen-Zylinder aus einer wenig belasteten Fläche des Gelenks entnommen und in den passend ausgebohrten Defektbereich verpflanzt. Dadurch kann ein Großteil einer stark belasteten Defektfläche mit hochwertigem, hyalinem Knorpel aufgefüllt werden. Die zwischen den Zylindern verbleibenden Lücken werden mit Narbengewebe gedeckt. Die Ergebnisse sind bei diesem Verfahren gut, jedoch werden dabei gesunde Knorpelflächen zerstört, was zu Beschwerden an der Zylinder-Entnahmestelle führen kann. Um diese Entnahmebeschwerden in Grenzen zu halten, sollte die OCT nur bei Knorpeldefekten bis maximal 2–3 cm² angewandt werden.
Bei der Knorpelzell-Transplantation wird dem Patienten im Rahmen einer arthroskopischen Untersuchung Knorpelgewebe aus einem unbelasteten Teil des Gelenks entnommen und anschließend in einem Speziallabor vermehrt. Nach etwa 3–4 Wochen steht eine ausreichende Menge an Zellmaterial zur Verfügung. Dieses wird kurz vor der Transplantation mit Hilfe eines vom Körper abbaubaren Trägervlieses in die Form gebracht, die für den exakten Einsatz in den Defekt erforderlich ist. Während des operativen Eingriffs wird der vorhandene Knorpeldefekt zunächst vom abgenutzten Knorpelgewebe befreit. Das vorgeformte Transplantat wird auf die gewünschte Größe zugeschnitten und mit Hilfe von Verankerungnähten passgenau in den Defekt eingebracht. Auf diese Weise erhalten die Knorpelzellen die Möglichkeit, in den Defekt einzuheilen.
Bei der Nachbehandlung sollte in aller Regel das Gelenk frühzeitig bewegt werden, jedoch gibt es, je nach Operationsverfahren Unterschiede bezüglich der Dauer in der das Gelenk nicht belaste werden sollte, d.h. Gehstöcken erforderlich sind.
Bei der Glättung der Gelenkfläche oder bei Implantation eines TruFit-Zylinders
besteht in der Regel nach ca. 1-2 Wochen eine volle Belastbarkeit. Bei den Knorpel stimulierenden Verfahren und der Knorpelzelltransplantation muss das Gelenk grundsätzlich mehrwöchig, meist ca. 6-8 Wochen, entlastet werden.
Im Rahmen der Nachbehandlung kommen, neben gezielter Physiotherapie, Injektionen mit Hyaluronsäure und Nahrungsergänzungsmittel wie z.B. Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat zur Unterstützung der Gelenkknorpelregeneration zum Einsatz.
Welche Behandlung eines Knorpelschadens im individuellen Fall die beste ist, welche Risiken bestehen und wie die Erfolgsaussichten der Behandlung sind, muss der spezialisierte Orthopäde nach entsprechenden Voruntersuchungen mit dem Patienten besprechen.
Ihre Arthrose Spezilisten von der KLINIK am RING, Köln haben sehr umfangreiche Erfahrung in der Behandlung von Arthrose und wenden das gesamte Therapiespektrum an. Darüber hinaus ist ihre Expertenmeinung auf Fachsymposien und Patienten Informationsveranstaltungen gefragt.
Nachfolgend finden Sie eine Auswahl häufig gestellter Fragen zum Thema. Wenn Sie weitere Fragen haben, zögern Sie nicht uns persönlich zu kontaktieren oder vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis.