Schmerzen Achillessehne: Tipps zur Selbstbehandlung der Achillessehne von Dr. Stefan Preis

Veröffentlicht am:
26.01.2021
Dauer:
5:42
Schmerzen an der Achillessehne sollten Sie nicht ignorieren: Um chronische Schmerzen oder gar einen Achillessehnenriss zu vermeiden gilt es frühzeitig gegenzusteuern und die Belastung der gereizten Sehne zu reduzieren. Aber nicht nur das! In diesem med.clip erklärt Dr. Stefan Preis von der KLINIK am RING – Köln, wie Sie eine Achillessehnenreizung konkret selbst behandeln können. Er gibt praktische Tipps, um die natürliche Selbstheilung der Sehne zu unterstützen und zeigt effiziente Übungen zur Eigenbehandlung. Erfahren Sie außerdem wann sie ihre Schmerzen von einem Spezialisten abklären lassen sollten und wann eine professionelle Behandlung der Achillessehne notwendig ist.

Warum sollten Sie Achillessehnenschmerzen nicht ignorieren?

Wenn die Achillessehne durch eine ungewohnte oder zu intensive Belastung gestresst ist und schmerzt, gilt es frühzeitig gegenzusteuern. Eine solche Achillessehnenreizung kann leicht chronisch werden. Das bedeutet häufig eine langwierige Behandlung und eine entsprechende Sportpause. Dr. Stefan Preis, Gelenkspezialist an der KLINIK am RING – Köln, erklärt, was Sie selbst gegen die Beschwerden tun können und sollten.

Was hilft in der Akutphase?

Auch wenn es schwerfällt: Zunächst muss die Belastung der gereizten Achillessehne unbedingt reduziert werden. Das heißt Sportpause für die Sehne. Das allein reicht jedoch nicht. In der Akutphase, also unmittelbar nachdem die Beschwerden aufgetreten sind, sollte die gereizte Sehne für zwei bis drei Tage mit sogenannter milder Kälte behandelt werden. Milde Kälte heißt: Das Gewebe soll gekühlt, aber nicht eiskalt werden.

  • Legen Sie vier- bis fünfmal täglich ein Coldpack für jeweils circa 15 Minuten auf die schmerzhafte Achillessehne.
  • Wichtig: Kommt das Coldpack aus dem Eisfach, wickeln Sie es unbedingt in ein Handtuch ein.
  • Tragen Sie zusätzlich zwei- bis dreimal täglich ein entzündungshemmendes Gel auf, zum Beispiel mit Diclofenac oder Ibuprofen.

Wie fördern Sie die Durchblutung nach der Akutphase?

Ist der akute Schmerz überwunden, sollten Sie mit durchblutungsfördernden Maßnahmen arbeiten. Je besser das Gewebe durchblutet ist, umso intensiver wird dessen Selbstheilung unterstützt. Sehr effizient sind Fußwechselbäder, vor allem aber die sogenannte Eislolli-Behandlung.

So funktioniert die Eislolli-Behandlung

  1. Eislolli herstellen: Füllen Sie einen Becher, am besten einen Plastikbecher, mit Wasser und stellen Sie einen Löffel oder Stift hinein. Das Ganze kommt ins Eisfach. Ist das Wasser gefroren, lösen Sie den Eislolli aus dem Becher. Kleiner Tipp: Das geht einfacher, wenn Sie den Becher vorher kurz unter heißes Wasser halten.
  2. Abreiben: Reiben Sie den schmerzhaften Bereich mit dem Eislolli großflächig mit kreisenden Bewegungen ab, für circa 10 bis 15 Minuten. Die kreisenden Bewegungen sind besonders wichtig, damit es nicht zu Erfrierungen kommt. Legen Sie sich dabei am besten ein Handtuch unter.
  3. Regelmäßig wiederholen: Führen Sie die Eislolli-Behandlung nach Möglichkeit ein- bis zweimal täglich durch.

Das Gewebe, das zunächst eiskalt und blass war, ist nach der Behandlung gerötet und gut durchblutet. Das ist wie bei den Händen nach einer Schneeballschlacht: Erst sind sie eiskalt, danach glühen sie, weil sie maximal durchblutet sind.

Welche Dehnübungen entlasten die Achillessehne?

Daneben ist es ganz wichtig, die Wadenmuskeln regelmäßig zu dehnen. So reduzieren Sie die Grundspannung und damit den chronischen Zug an der gestressten Achillessehne. Auch hier ist die Folge eine verbesserte Selbstheilung. Zwei ganz einfache, aber sehr effiziente Übungen:

  1. Übung mit gestrecktem Bein: Stellen Sie sich zum Beispiel an ein Sideboard und bringen Sie das schmerzhafte Bein in einer Schrittposition nach hinten. Schieben Sie das Becken vor, stellen Sie sich auf den Fußballen und drücken Sie die Ferse Richtung Boden. Sie spüren dabei eine Dehnung, einen Zug in der Wade. Halten Sie die Position für circa 15 bis 20 Sekunden, machen Sie eine kleine Pause und wiederholen Sie das Ganze drei- bis viermal. Diese Übungssequenz dauert nicht mehr als zwei Minuten und sollte drei- bis viermal täglich wiederholt werden. Mit dieser Übung dehnen Sie den oberflächlichen Wadenmuskel.
  2. Übung mit gebeugtem Knie: Die zweite Übung sieht ganz ähnlich aus, wird aber mit gebeugtem Kniegelenk ausgeführt: Schrittstellung, das hintere Bein gebeugt, Becken vorschieben, Gewicht auf den Fußballen und die Ferse Richtung Boden drücken, dabei das Knie gebeugt lassen. Die Dehnung ist im unteren Bereich der Wade spürbar, denn diese Übung dehnt den tiefen Wadenmuskel. Die Regeln bleiben gleich: Position 10 bis 15 Sekunden halten, kurze Pause, drei- bis viermal wiederholen und die zweiminütige Übung über den Tag verteilt drei- bis viermal durchführen.

Wann sollten Sie einen Spezialisten aufsuchen?

Neben einer gewissen Schonung ist also aktive Mitarbeit gefragt. So lassen sich Achillessehnenbeschwerden in vielen Fällen in den Griff bekommen. Schmerzt die Sehne nach drei bis vier Wochen jedoch immer noch, sollten Sie die Beschwerden unbedingt abklären und professionell behandeln lassen. Nehmen Sie die Beschwerden ernst: Eine Achillessehnenreizung kann chronisch werden, und eine chronisch gereizte Sehne kann sogar relativ leicht reißen.

Häufig gestellte Fragen zum Thema (FAQ)

Nachfolgend finden Sie eine Auswahl häufig gestellter Fragen zum Thema. Wenn Sie weitere Fragen haben, zögern Sie nicht uns persönlich zu kontaktieren oder vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis.

Häufige Fragen zur Selbstbehandlung der Achillessehne

Was sollte ich bei einer gereizten Achillessehne sofort tun?

Reduzieren Sie unbedingt die Belastung und legen Sie eine Sportpause ein. In der Akutphase behandeln Sie die Sehne zwei bis drei Tage mit milder Kälte: vier- bis fünfmal täglich ein in ein Handtuch gewickeltes Coldpack für circa 15 Minuten. Zusätzlich tragen Sie zwei- bis dreimal täglich ein entzündungshemmendes Gel auf.

Wie funktioniert die Eislolli-Behandlung?

Ein im Becher gefrorener Eislolli wird für circa 10 bis 15 Minuten mit kreisenden Bewegungen großflächig über den schmerzhaften Bereich gerieben. Das regt die Durchblutung an und unterstützt so die Selbstheilung der Sehne. Die Behandlung sollte ein- bis zweimal täglich erfolgen.

Warum hilft das Dehnen der Wadenmuskulatur bei Achillessehnenschmerzen?

Regelmäßiges Dehnen reduziert die Grundspannung der Wadenmuskeln und damit den chronischen Zug an der gestressten Achillessehne. Die Folge ist eine verbesserte Selbstheilung der Sehne.

Wie oft sollte ich die Dehnübungen durchführen?

Jede Dehnposition wird für 10 bis 20 Sekunden gehalten und nach einer kurzen Pause drei- bis viermal wiederholt. Die etwa zweiminütige Übungssequenz sollten Sie drei- bis viermal über den Tag verteilt durchführen.

Wann muss ich mit Achillessehnenschmerzen zum Arzt?

Wenn die Sehne nach drei bis vier Wochen immer noch schmerzt, sollten Sie die Beschwerden unbedingt abklären und professionell behandeln lassen. Eine Achillessehnenreizung kann chronisch werden, und eine chronisch gereizte Sehne kann sogar relativ leicht reißen.

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