In kaum einem Bereich der Medizin kursieren so viele Tipps und Empfehlungen und wird so viel für Medikamente geworben, die angeblich bei Knorpelschaden beziehungsweise Arthrose helfen. Das überrascht nicht: Mehr als 60 Prozent der Menschen sind vom Problem Gelenkverschleiß betroffen. Damit ist das auch ein großer Markt, auf dem versucht wird, Geld zu verdienen, nicht selten mit unseriösen Versprechungen.
Wichtig zur Einordnung: Medikamente sind nur eine von mehreren Säulen, auf denen die Behandlung von Knorpelschäden und Arthrose basiert. Dazu gehören ebenso Bewegung, Physiotherapie und Ernährung.
Um seriös zu beantworten, welche Medikamente wirklich helfen, werden in der Medizin Studien durchgeführt, also wissenschaftliche Untersuchungen. Da Wissenschaftler nicht immer einer Meinung sind, werten Expertengremien alle diese Untersuchungen aus und geben daraufhin eine klare Behandlungsempfehlung. Diese Empfehlungen heißen Leitlinien der Medizin und legen fest, welche Behandlung hilft und welche nicht.
Die Leitlinie empfiehlt bei Arthrose eine Stufentherapie. Begonnen wird also mit sanften Maßnahmen, das heißt mit möglichst nebenwirkungsfreien und risikoarmen Medikamenten.
Auf Stufe 1 sollte das schmerzhafte Gelenk zwei- bis dreimal täglich mit einem entzündungshemmenden Gel oder einer entzündungshemmenden Salbe eingerieben werden, zum Beispiel mit Diclofenac oder Ibuprofen. Die Wirkung ist zwar nur relativ gering, dafür ist ein solches Gel wirklich harmlos.
Auf Stufe 2 kommen entzündungshemmende Tabletten zum Einsatz, auch hier vor allem Diclofenac und Ibuprofen. Solche Tabletten sollten jedoch nicht allzu häufig und nicht allzu lange eingenommen werden: Sie können Magenbeschwerden verursachen und belasten die Nieren. Bei Herzerkrankungen ist besondere Vorsicht geboten. Besprechen Sie deshalb mit Ihrem Arzt, ob solche Tabletten für Sie infrage kommen und ob es gegebenenfalls eine Alternative gibt.
Eine Alternative können Glucosamin oder Chondroitinsulfat sein. Auch wenn die wissenschaftlichen Studienergebnisse nicht eindeutig sind, kommen die Experten zu dem Schluss, diese risiko- und nebenwirkungsarmen Medikamente in ihren Leitlinien zu empfehlen. Damit sie eine schmerzstillende und funktionsverbessernde Wirkung entfalten, müssen sie allerdings über mehrere Monate eingenommen werden.
Auf Stufe 3 kommen Medikamente zum Einsatz, die direkt in das betroffene Gelenk gespritzt werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Medikament gelangt genau dorthin, wo es wirken soll. Fachmännisch durchgeführt tut eine Spritze ins Gelenk weder sonderlich weh, noch ist sie sonderlich gefährlich.
Als Spritze wird gemäß Leitlinie zum einen Kortison empfohlen. Kortison ist eine natürliche Substanz, die in den Nebennierenrinden täglich in großen Mengen produziert wird, und wirkt unter anderem stark entzündungshemmend. Dr. Stefan Preis, Gelenkspezialist an der KLINIK am RING – Köln, ordnet ein: Kortison sei ein wenig zu Unrecht in Verruf geraten, weil es früher zu häufig, zu lange und in zu hohen Dosen eingesetzt wurde.
Richtig dosiert ist eine einmalige Gabe eines sogenannten Depotkortisons, also eines Kortisons mit langer Wirkungsdauer, meist unbedenklich und sehr wirksam. Die Entzündung geht rasch zurück und die Schmerzen lassen nach.
Zum anderen empfehlen die Leitlinien Hyaluronsäure. Sie ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und wirkt wie ein Schmiermittel, vereinfacht vergleichbar mit dem Ölwechsel beim Auto: Einen Neuwagen bekommt man dadurch nicht, gut geschmiert läuft es aber besser. Hyaluronsäure ist sicherlich kein Wundermittel, nach Auswertung aller wissenschaftlichen Untersuchungen empfiehlt die Expertenkommission sie jedoch in ihren Leitlinien. Sie muss drei- bis fünfmal im Abstand von jeweils circa einer Woche gespritzt werden.
Eine weitere bekannte Behandlung ist die PRP- beziehungsweise ACP-Behandlung. PRP steht für Platelet Rich Plasma, ACP für autologes konditioniertes Plasma. Beide Verfahren zählen zu den Eigenblutbehandlungen.
Der Ablauf: Es wird eine Ampulle Blut abgenommen, daraus werden unmittelbar die körpereigenen Substanzen extrahiert, die Entzündungsreaktionen im Körper hemmen und Heilungsprozesse fördern. Dieses konzentrierte Plasma wird dann direkt in das betroffene Gelenk gespritzt, damit es dort vor Ort wirken kann.
Nachdem die Expertenkommission alle bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse analysiert hat, gilt die Wirksamkeit von PRP und ACP jedoch noch nicht als ausreichend erforscht. Die Behandlung wird in den Leitlinien dementsprechend nicht explizit empfohlen. Ob eine Eigenblutbehandlung für Sie sinnvoll sein könnte, sollten Sie persönlich mit Ihrem Arzt besprechen.
Bei den vielen Wundermitteln, die allerorts angepriesen werden, handelt es sich in aller Regel um Extrakte und Nahrungsergänzungsmittel, also um Substanzen, die wir mit der Nahrung ohnehin zu uns nehmen.
Ein Knorpelschaden entsteht keineswegs, weil es an entsprechenden Nährstoffen mangelt. Deshalb ist es auch unsinnig zu glauben, man könne mit solchen Substanzen einen Knorpelschaden verhindern oder gar heilen. Das ist nicht nur eine persönliche Einschätzung, sondern das Ergebnis zahlreicher wissenschaftlicher Studien, die das belegen. Der Rat lautet daher: Geben Sie Ihr Geld nicht für Dinge aus, die eher in den Bereich Scharlatanerie gehören.
Auch wenn sich ein Knorpelschaden beziehungsweise eine Arthrose nicht heilen lässt, gibt es zahlreiche nachgewiesenermaßen wirkungsvolle Medikamente. Die Gelenkspezialisten der KLINIK am RING – Köln beraten Sie dazu gern persönlich.
Nachfolgend finden Sie eine Auswahl häufig gestellter Fragen zum Thema. Wenn Sie weitere Fragen haben, zögern Sie nicht uns persönlich zu kontaktieren oder vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis.
Die Leitlinie empfiehlt eine Stufentherapie: Stufe 1 entzündungshemmende Gels oder Salben, Stufe 2 entzündungshemmende Tabletten sowie als Alternative Glucosamin oder Chondroitinsulfat, Stufe 3 Spritzen ins Gelenk mit Kortison oder Hyaluronsäure.
Diclofenac oder Ibuprofen als Tabletten sollten nicht allzu häufig und nicht allzu lange eingenommen werden. Sie können Magenbeschwerden verursachen und belasten die Nieren, bei Herzerkrankungen ist besondere Vorsicht geboten. Besprechen Sie die Einnahme mit Ihrem Arzt.
Kortison ist eine natürliche Substanz, die in den Nebennierenrinden täglich in großen Mengen produziert wird, und wirkt stark entzündungshemmend. In Verruf geriet es, weil es früher zu häufig, zu lange und in zu hohen Dosen eingesetzt wurde. Richtig dosiert ist eine einmalige Gabe eines Depotkortisons meist unbedenklich.
Hyaluronsäure muss drei- bis fünfmal im Abstand von jeweils circa einer Woche in das betroffene Gelenk gespritzt werden. Sie ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und wirkt wie ein Schmiermittel.
Bei PRP und ACP werden aus einer Blutampulle körpereigene Substanzen extrahiert und in das Gelenk gespritzt. Nach Analyse aller bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse gilt die Wirksamkeit als noch nicht ausreichend erforscht, die Verfahren werden in den Leitlinien nicht explizit empfohlen. Sprechen Sie im Einzelfall mit Ihrem Arzt.
Ein Knorpelschaden entsteht nicht durch einen Mangel an Nährstoffen. Deshalb lässt sich ein Knorpelschaden mit Extrakten und Nahrungsergänzungsmitteln weder verhindern noch heilen. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien.